zur Navigation

Dr. Michael Heinisch
Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe
Seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung der Vinzenz Gruppe.
Kompetenzbereiche: Strategische Ausrichtung der Vinzenz Gruppe, Wertemanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Rechnungswesen und Controlling sowie Personalwesen, Einkauf/Logistik und Informatik.
21. September
Vor einiger Zeit führte der renommierte Krebsspezialist Prof. Ludwig, Vorstand am Wilhelminenspital, eine Untersuchung durch, mit der er die Wirkung von "Handauflegen" im Rahmen von Therapien untersuchte. Das wissenschaftliche Ergebnis war eindeutig: Durch Handauflegen verbesserte sich der Allgemeinzustand, Schmerzen und Depressionen ließen nach. Es wurde beschrieben, dass die Patienten entspannten und innerlich ruhiger wurden. Um was geht es eigentlich? Wenn ich jemandem die Hand auflege, dann wende ich mich diesem Menschen zu. Heilung besteht nicht nur aus der Therapie des Körpers. Nur wer die Seele mitbehandelt, kommt schlussendlich an das Ziel. Dazu braucht es keine besonderen Kräfte, sondern das liebevolle Bemühen um den Menschen.
25. August
In der aktuellen Pflegediskussion könnte man leicht den Überblick verlieren. Fast täglich gibt es neue Lösungsvorschläge, um den aktuellen und künftigen Pflegebedarf auf möglichst legale Art und Weise zu decken. Mit unglaublicher Selbstsicherheit haben sämtliche Interessengruppen, Lobbyisten und politische Parteien das Pflegeproblem haarscharf erkannt und kennen eben die richtige Lösung. Aber wer hat denn wirklich jemals pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige ernsthaft, strukturiert und umfassend nach ihren Bedürfnissen gefragt? Wer hat den Bedarf nach Pflege in Heimen oder zu Hause repräsentativ erhoben? Wer hat jemals nach den Ängsten und Sorgen alter Menschen gefragt und wie man ihnen wirklich helfen kann?
Gerade hat Österreich im Krankenhaus-Bereich eine umfassende Erhebung künftiger Krankheiten der Österreicherinnen und Österreicher abgeschlossen (siehe
Österreichischer Strukturplan Gesundheit). Daraus haben wir einen Bedarfsplan für medizinische Angebote abgeleitet. Im Pflegebereich gibt es diese Bedarfs- erhebung nicht. Wie können dann die Lösungsvorschläge so klar sein? Wir müssen darauf achten, dass nicht die Interessengruppen ihre Anliegen zum Lösungsmodell erklären. Einzig das Bedürfnis des zu pflegenden Menschen und seiner Angehörigen zählt. Aber vielleicht müssten wir das System dann wirklich grundlegend ändern. Lassen Sie es uns erheben. Gerade in Vorwahlzeiten sind die Österreicherinnen und Österreicher doch in Meinungsumfragen wirklich geübt.
07. August
Immer wieder stoßen wir auf gelebte und erlebte Beispiele von "Medizin mit Seele“. Genau am Punkt ist ein Projekt am Orthopädischen Spital Speising. Pro Jahr werden dort tausende Menschen auf höchstem medizinischem Niveau operiert. Dass die meisten Patienten den Eingriffen an ihrem Körper mit Angst und Sorge entgegen sehen versteht sich von selbst und ist natürlich. Daher hat sich das Ordensspital entschlossen, am Ort und am Zeitpunkt der größten Angst – bei der Schleuse in den Operationssaal – eine Dienstleistung besonderer Art anzubieten: Ordensschwestern stellen sich zur Verfügung – für ein Gespräch, eine Berührung oder einfach nur um da zu sein. Die Resonanz der Patienten ist unglaublich positiv. Die Angst verschwindet nicht immer, aber der Patient hat das Gefühl, dass seine Angst sein darf, dass sie verstanden wird, dass sie angenommen wird und Teil seiner selbst ist. Der Aufwand ist gering und die Wirkung dabei so groß.
05. Juli
In den letzten Wochen wurde in Österreich viel über die Bedeutung privater Betreiber von Krankenhäusern gesprochen. So recherchierte
IHS die Situation privater Krankenhausketten und kam zur Erkenntnis, dass in Europa die Staaten ihre Aufgaben sichtlich neu definieren und die stationäre Versorgung zunehmend in private Hände legen.
Natürlich hören wir oft, dass die privaten-gemeinnützigen Krankenhäuser (Ordensspitäler) lediglich Rosinenpickerei betreiben – d.h. mutmaßlich vom Gewinn gesteuert sind und nur jene Medizin machen, die sich lohnt. Aber warum sollten wir das tun? Als gemeinnützige Krankenhausträger ist es den Ordensspitälern nämlich unter keinen Umständen möglich, Geld mit dem Gesundheitswesen zu verdienen. Jeder Euro und jeder Cent, der durch wirtschaftliches Verhalten eingespart oder erwirtschaftet wird, muss (!) Kraft Gesetztes in unseren Krankenhäusern verbleiben und wird für die Behandlung der Patienten investiert. Die Ordensspitäler unterliegen ebenso wie alle anderen öffentlichen Spitäler der öffentlichen Gesundheitsplanung und müssen die allgemeinen Qualitätskriterien einhalten. Wir können uns nicht aussuchen, welche Leistungen wir für die Bevölkerung erbringen. Dass es uns nicht um das Geldverdienen geht, beweist auch die Anzahl an Betten in Bereichen, die landläufig nicht zu den am besten finanzierten zählen – denken Sie an die
Palliativmedizin, d.h. an die Betreuung unheilbar kranker Menschen.
Ordensspitäler benötigen jedoch – so wie alle anderen an der öffentlichen Versorgung teilnehmenden Krankenhäuser – eine volle Abdeckung ihrer Kosten. Private Zuzahlungen der Orden dafür, dass man öffentliche Versorgung erbringen darf (die ansonsten die Länder selbst zu erbringen hätten), sollten bald der Vergangenheit angehören.
26. Juni
In der jüngsten Ausgabe des deutschen Krankenhausmagazins
"Führen & Wirtschaften im Krankenhaus" habe ich einen interessanten Artikel über ein Projekt des bekannten Beratungsunternehmens
McKinsey&Company gefunden.
An der
Universitätsklinik Freiburg hat McKinsey Erkenntnisse aus Produktivitätsprogrammen der Automobilindustrie auf das Krankenhaus umgelegt. Es wurden die Parallelen beschrieben: Just-in-Time Produktion von Autos einerseits – Verkürzung von Behandlungsprozessen auf das medizinisch unbedingt notwendige Maß anderseits. Keine unnötigen Wege am Produktionsband einerseits – keine Doppeluntersuchungen andererseits. Optimierte Bestandshaltung der Autos einerseits – optimierte Bettenauslastung andererseits.
Können wir Krankenhäuser wirklich wie Industriebetriebe führen? Natürlich können wir viel von anderen Branchen lernen, insbesondere was Prozess – Know-how und Managementstandards anbelangt. Aber wenn es in unseren Gesundheitseinrichtungen bei der Professionalität alleine endet, degradieren wir zu Krankenhausfabriken. Krankenhäuser produzieren mehr als Dienstleistungen – sie arbeiten am Leben. Wir haben viel mehr als Kunden – in unsere Spitäler kommen nämlich Patienten, mir Ihren Ängsten und Hoffnungen. Den Unterschied machen die Werte. So wird aus einem Krankenhaus-Business ein Spital mit Seele.