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Dr. Michael Heinisch

Dr. Michael Heinisch

Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe
Seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung der Vinzenz Gruppe.
Kompetenzbereiche: Strategische Ausrichtung der Vinzenz Gruppe, Wertemanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Rechnungswesen und Controlling sowie Personalwesen, Einkauf/Logistik und Informatik.

Ängste

Gerade habe ich die Galerie der Unterstützer der Medizin mit Seele besucht. Die Statements sind berührend und authentisch – und sie sind menschlich. Ich lese keine Berufspolitik – ich lese nur von Lobbyisten für die Menschlichkeit und die Werte im Gesundheitswesen. Vielen Dank!

Herr Roskothen hat gefragt, ob es Initiativen dazu auch in Deutschland gibt. Ich kenne sie nicht. Aber die Notwendigkeit dazu erkenne ich sehr wohl. Nahezu monatlich werden Krankenhäuser geschlossen oder verkauft, Ärzte streiken – all dies muss die kranken wie auch die gesunden Menschen in Deutschland in höchstem Masse verunsichern. Es ist wohl so, dass Reformen zur Sicherstellung der Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens jetzt notwendig sind. Immerhin geht es um den Kampf für einen breiten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Aber wir müssen die Menschen in diesem Reformprozess mitnehmen! Sprechen wir die Ängste und Bedürfnisse der Patienten offen an, sonst wird aus Angst offener Widerstand.

Ein wichtiger Hinweis kam von anderer Stelle: Menschen können Medizin mit Seele nur leisten, wenn wir den „Helfern Förderung und Anerkennung“ geben. Ganz da zu sein für den Menschen, ihm die volle Aufmerksamkeit für sein Schicksal in der zur Verfügung stehenden Zeit zu geben – dazu braucht man Kraft und Motivation. Diese notwendigen Zeichen der Wertschätzung und des Respekts ist die Aufgabe der Führung der Krankenhäuser.

Update: In einem Weblog lese ich von einer Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, bei der in einem Referat "angesichts der Verknappung finanzieller Ressourcen" die stärkere Beachtung von "Wertefragen [...] die aus dem medizinischen Kontext allein nicht zu klären sind" gefordert wird.

Der Wert der Werte

Für mich ist das Phänomen Weblogs relativ neu, aber als ich im Rahmen der Planung dieser Initiative gefragt wurde, ob ich ein solches "Tagebuch" führen wollte, habe ich gerne ja gesagt.
Bei der Recherche in Diensten und Suchmaschinen bin ich auf einige interessante Meinungen in anderen Weblogs gestoßen.

Oft schwingt darin ein sehr negativer Ton mit, aus meiner Sicht aber nicht immer gerechtfertigt. In diesem Beitrag wird gefragt "Medicus quo vadis":

http://gesundheitspolitik.blog.de/2006/05/13/medicus_quo_vadis~795705

Eine Frage die nicht unberechtigt ist, jedoch auch mit einbeziehen müsste wohin der "Medicus" denn noch gehen kann. Wie ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe sind solche Debatten etwas für gesunde Menschen, sobald man durch Krankheit seinen Handlungsspielraum einbüsst plagen einen andere Sorgen. Vor allem weil unsere Mediziner mit großem Engagement arbeiten und oft auf Grund des hohen Leistungsdrucks keine Zeit mehr haben für das was aus unserer Sicht gute Medizin aus macht: sich um die Bedürfnisse der einzelnen Patienten zu kümmern. Fürsorgliche Ansprechpartner zu sein und eben jene liebevolle Zuwendung geben zu können die es aus meiner Sicht braucht. Ich unterstütze diese Initiative aus genau diesem Grund, weil die Werte in der Medizin wieder eine größere Rolle spielen sollen.

Dass dies keine weltfremde Ansicht ist, sondern täglich passiert zeigt dieser überaus berührende Eintrag dieser Dame die offensichtlich im "Gesundheitswesen" arbeitet:

http://tagebuch.aol.de/flocky280/Alltagliches/entries/1292

Es ist die Sorge die hier zum Ausdruck kommt, die Sorge im Dienste der Gesundheit alles getan zu haben damit es Menschen besser geht. Da kann ich Peter Roskothen und seinem Statement in seinem Weblog nur beipflichten:

"Es geht um ein soziales Miteinander, in dem man andern hilft, für sie da ist, für schwächere, finanziell arme und depressive Menschen eine Stütze bildet. Es geht nicht um Ellebogen die andere aus dem Weg räumen, sondern um Zuwendung für den anderen, für Tiere, für diesen Planeten."

http://log.roskothen.de/?p=55

Ich finde unsere gemeinsamen Werte sollten uns etwas Wert sein. Zumindest ein Zeichen.

Zuwendung braucht Zeit.

Sylvia Wörgetter hat vor einigen Tagen in den Salzburger Nachrichten aus einer Studie zitiert, nach der sich Menschen im Krankheitsfall vor allem nach zweierlei sehnen: von der Krankheit geheilt zu werden und nach liebevoller Zuwendung. Ich möchte Ihnen von Diskussionen berichten, welche ich insbesondere in der letzten Zeit häufig mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ärzteschaft und der Pflege führe. Im Kern drehen wir uns immer wieder um die Frage, wie man liebevolle Zuwendung einerseits geben soll, wo doch andererseits die Zeit, die man im Krankenhausalltag für den Patienten hat, immer weniger wird. Der medizinische Fortschritt macht es möglich, die steigenden Patientenzahlen machen es nötig. Zweifelsohne braucht Zuwendung Zeit. Aber haben wir die zur Verfügung stehende Zeit bereits vollständig für Zuwendung ausgeschöpft? Sind wir wirklich beim Patienten, wenn wir beim Patienten sind? Vieles was unsere Patienten als Zuwendung wahrnehmen benötigt nicht viel Zeit, benötigt aber viel Aufmerksamkeit und Respekt vor der Würde und dem einmaligen Schicksal des Menschen.

Öffentliche Debatten über das Gesundheitswesen

Viele öffentliche Debatten über das Gesundheitswesen und seine Zukunft sind gemacht für die gesunden Menschen. Wer gesund ist, hat den Mut und die Motivation über Geld, Krankenhausbetten und Verweildauern nachzudenken. Was bewegt allerdings die Menschen, wenn sie krank sind? Was ist, wenn man seine Autonomie und seine Selbstbestimmung verliert – schlagartig? Dann sind es ganz andere Themen, die uns bewegen. Halbjährlich befragen wir die Menschen, die in unsere Krankenhäuser kommen nach ihrer Meinung zu unserer Arbeit und unserer Qualität. Und vor allem fragen wir nach ihren Bedürfnissen. Und jedes Mal sagen uns die Menschen, was Sie neben der kompetenten medizinischen und pflegerischen Behandlung brauchen: liebevolle Zuwendung! Die größte Zufriedenheit erfährt, wer die volle Aufmerksamkeit durch Arzt und Pflegemitarbeiter erhält. Es geht dabei nicht nur um die Zeit. Es geht darum, dass der Patient im Moment den Eindruck hat, dass den Menschen gegenüber das einzigartige Schicksal und die Fragen der Ungewissheit wirklich interessieren, die der Kranke hat. Es geht um den sichtbar entgegengebrachten Respekt vor der Würde des Menschen. In unseren Krankenhausbetrieben, die von steigenden Patientenzahlen und kürzeren Verweildauern geprägt sind, ist das eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Ich glaube, dass ein Krankenhaus viel mehr ist als ein Ort der Diagnose und Therapie. Für mich ist ein Krankenhaus ein Ort, an dem auch die Hilflosigkeit eines Menschen ihren Platz finden muss und an dem Patienten Halt durch unsere Zuwendung erfahren.