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Was wollen zu Pflegende wirklich?

In der aktuellen Pflegediskussion könnte man leicht den Überblick verlieren. Fast täglich gibt es neue Lösungsvorschläge, um den aktuellen und künftigen Pflegebedarf auf möglichst legale Art und Weise zu decken. Mit unglaublicher Selbstsicherheit haben sämtliche Interessengruppen, Lobbyisten und politische Parteien das Pflegeproblem haarscharf erkannt und kennen eben die richtige Lösung. Aber wer hat denn wirklich jemals pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige ernsthaft, strukturiert und umfassend nach ihren Bedürfnissen gefragt? Wer hat den Bedarf nach Pflege in Heimen oder zu Hause repräsentativ erhoben? Wer hat jemals nach den Ängsten und Sorgen alter Menschen gefragt und wie man ihnen wirklich helfen kann?

Gerade hat Österreich im Krankenhaus-Bereich eine umfassende Erhebung künftiger Krankheiten der Österreicherinnen und Österreicher abgeschlossen (siehe Österreichischer Strukturplan Gesundheit). Daraus haben wir einen Bedarfsplan für medizinische Angebote abgeleitet. Im Pflegebereich gibt es diese Bedarfs- erhebung nicht. Wie können dann die Lösungsvorschläge so klar sein? Wir müssen darauf achten, dass nicht die Interessengruppen ihre Anliegen zum Lösungsmodell erklären. Einzig das Bedürfnis des zu pflegenden Menschen und seiner Angehörigen zählt. Aber vielleicht müssten wir das System dann wirklich grundlegend ändern. Lassen Sie es uns erheben. Gerade in Vorwahlzeiten sind die Österreicherinnen und Österreicher doch in Meinungsumfragen wirklich geübt.
Barbara Wimmer (anonym) - 25. Aug, 20:39
Sehr geehrter Herr Dr. Heinisch,
ich stimme Ihnen völlig zu! Ich finde es total schrecklich, dass die Bedürfnisse im Pflegebereich noch nicht erhoben worden sind!

Man sollte dies schleunigst nachholen! Denn sie haben schon recht, wenn Sie schreiben, dass einzig das Bedürfnis des zu pflegenden Menschen und seiner Angehörigen zählt.

Mit freundlichen Grüßen
Barbara Wimmer
Hödl Klaus (anonym) - 25. Aug, 20:43
mich erinnert das ganze an die vogelgrippe-gschichte, wo nix vorhanden war, wo es keine erhebungen, kein system, nix im vorfeld gab. notfallpläne mussten erst nach dem ersten fall erstellt werden. es ist doch eigentlich eine frechheit, dass immer so spät reagiert wird - auch jetzt bezogen auf die pflegedebatte!
Martin Sprenger (anonym) - 26. Aug, 18:41
Sehr geehrter Dr. Heinisch,
es gibt solche Erhebungen, es gibt auch Studien zur Situation pflegender Angehörigen und der Arbeits- und Lebensqualität von Pflegepersonal im stationären und ambulanten Bereich. Es gibt sehr, sehr viel, nur landet dies meist ungelesen in diversen Schubladen.
Ich finde folgenden Aspekt beachtenswert:
Es arbeiten laut Statistik Austria und ÖBIG derzeit 62.000 (Vollzeitäquivalent) diplomierte Pflegekräfte + Plege-/AltenhelferInnen (stationär + ambulant) legal in Österreich. Da davon nur ca. 1.800 im ambulanten Bereich arbeiten ist das Verhältnis stationär : ambulant 28 :1!!! Setzt man für illegale Pflegekräfte die Zahl 40.000 ein, arbeitet bereits 40% des gesamten Pflegepersonals illegal, nachdem diese zu fast 100% im ambulanten Bereich tätig sind, beträgt der Anteil dort schon über 90%.
Übrigens, Österreich hat mit 5.8 diplomierten Pflegekräften pro 1.000 Einwohner eine der niedrigsten Raten in Europa (z.B. Finnland und Norwegen 20/1.000 Einwohner)
Peter K. (anonym) - 29. Aug, 21:08
Eine finanzierbare und kompetente Lösung im Pflegebereich wurde genauso verschlafen wie eine ehrliche Lösung im gesamten Gesundheitswesen. Deshalb haben wir Österreicher zur Selbsthilfe gegriffen und ein illegales System aufgebaut, von dem 1.000ende Pflegebedürftiger und ihre Angehörigen profitieren.