28. April
Öffentliche Debatten über das Gesundheitswesen
Viele öffentliche Debatten über das Gesundheitswesen und seine Zukunft sind gemacht für die gesunden Menschen. Wer gesund ist, hat den Mut und die Motivation über Geld, Krankenhausbetten und Verweildauern nachzudenken. Was bewegt allerdings die Menschen, wenn sie krank sind? Was ist, wenn man seine Autonomie und seine Selbstbestimmung verliert – schlagartig? Dann sind es ganz andere Themen, die uns bewegen. Halbjährlich befragen wir die Menschen, die in unsere Krankenhäuser kommen nach ihrer Meinung zu unserer Arbeit und unserer Qualität. Und vor allem fragen wir nach ihren Bedürfnissen. Und jedes Mal sagen uns die Menschen, was Sie neben der kompetenten medizinischen und pflegerischen Behandlung brauchen: liebevolle Zuwendung! Die größte Zufriedenheit erfährt, wer die volle Aufmerksamkeit durch Arzt und Pflegemitarbeiter erhält. Es geht dabei nicht nur um die Zeit. Es geht darum, dass der Patient im Moment den Eindruck hat, dass den Menschen gegenüber das einzigartige Schicksal und die Fragen der Ungewissheit wirklich interessieren, die der Kranke hat. Es geht um den sichtbar entgegengebrachten Respekt vor der Würde des Menschen. In unseren Krankenhausbetrieben, die von steigenden Patientenzahlen und kürzeren Verweildauern geprägt sind, ist das eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Ich glaube, dass ein Krankenhaus viel mehr ist als ein Ort der Diagnose und Therapie. Für mich ist ein Krankenhaus ein Ort, an dem auch die Hilflosigkeit eines Menschen ihren Platz finden muss und an dem Patienten Halt durch unsere Zuwendung erfahren.

