24. Mai
Zuwendung braucht Zeit.
Sylvia Wörgetter hat vor einigen Tagen in den Salzburger Nachrichten aus einer Studie zitiert, nach der sich Menschen im Krankheitsfall vor allem nach zweierlei sehnen: von der Krankheit geheilt zu werden und nach liebevoller Zuwendung. Ich möchte Ihnen von Diskussionen berichten, welche ich insbesondere in der letzten Zeit häufig mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ärzteschaft und der Pflege führe. Im Kern drehen wir uns immer wieder um die Frage, wie man liebevolle Zuwendung einerseits geben soll, wo doch andererseits die Zeit, die man im Krankenhausalltag für den Patienten hat, immer weniger wird. Der medizinische Fortschritt macht es möglich, die steigenden Patientenzahlen machen es nötig. Zweifelsohne braucht Zuwendung Zeit. Aber haben wir die zur Verfügung stehende Zeit bereits vollständig für Zuwendung ausgeschöpft? Sind wir wirklich beim Patienten, wenn wir beim Patienten sind? Vieles was unsere Patienten als Zuwendung wahrnehmen benötigt nicht viel Zeit, benötigt aber viel Aufmerksamkeit und Respekt vor der Würde und dem einmaligen Schicksal des Menschen.

